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alteisentreiber.de - die m-Story (Dominik Spang)

 

 

The M-Story von Dominik


The M-Story, Teil 2

Ein böser Unfall am 31. März 2009 mit meiner 175er Doppelkolbenpuch zwang mich, von vielen anderen Verpflichtungen entbunden zu sein, mich aber dafür, unter anderem, umso mehr dem zweiten Teil der M-Story widmen zu können. Die Situation war solcher Art, wie man sie landläufig als "Klassiker" bezeichnet: Eine entgegenkommende und nach links in eine Tankstelle abbiegende Automobilistin übersah mich, fast konnte ich noch ausweichen, rasselte dann aber doch in die Karosse und flog in hohem Bogen.
Es folgte ein zehntägiger Krankenhausaufenthlat und neun lange Wochen, während denen ich an Krücken gebunden war.Ich stand mit vier Beinen im Niemandsland. Einen Oberschenkeltrümmerbruch und eine Verletzung der Nerven zum linken Fuß hinunter galt es zu heilen. Nach acht Jahren ununterbrochenen Motorradfahrens also die schlimme Premiere. Im Winter gab es hin und wieder Stürze zu beklagen - aber so? Nun geht es wieder aufwärts und seit Mitte Mai bin ich wieder auf zwei Rädern unterwegs. Anfangs eher gehemmter Natur, denn quer aufgeschnallte Krücken wollen eben behutsam zwischen automobilen Rückspiegeln hindurchbugsiert sein.

Nun aber her mit dem Tintenfass und Feder. Manege frei für die M-Story, zweiter Teil.

Zum Schluss des ersten Teils waren wir mit unseren Nachforschungen im lettischen Riga angekommen. Ein flüchtiger Blick auf die Geschichte des Baltikums liefert uns schnell ein wirres und gewaltsam herbeigeführtes Auf und Ab. Allein eine Beschränkung auf das 20. Jahrhundert macht klar, dass den Menschen im Baltikum allzu selten ein ruhiges und friedfertiges Leben vergönnt war.
Ein gewaltsamer Umbruch folgte auf den nächsten. Deutsche Truppen marschierten im ersten Weltkrieg ein, dann kam die Rote Armee. Nur der Zeitraum von 1920 bis 1939 bot ein Leben in Frieden, in kultureller und wirtschaftlicher Blüte.Danach kamen die Nazis und darauf folgte wieder die Rote Armee. Erst 1991 brachte der Fall des Eisernen Vorhangs die Möglichkeit, endlich unabhängig und eigenständig zu leben.

bsa m23

Doch nun zurück zur individuellen Geschichte meiner BSA:

Die Nachforschungen hinsichtlich meiner BSA M23 Empire Star, die per Schiff am 9. Juni 1937 von Großbritannien nach Riga gelangte und irgendwann später zu einer M20 umgemodelt wurde gingen nunmehr weiter in die Tiefe. Ich fragte nochmals im WD M20-Forum nach und bekam dort den entscheidenden Hinweis, dass ich meine beste Quelle ein gewisser Herr Juris Ramba in Riga sei. Gesagt, getan, am 8. März schrieb ich ihn an und bekam just am selben Tage mehrere sehr ausführliche Antworten. Herr Juris Ramba war übrigens unter anderem der Vorsitzende der Abteilung Motorrad des AKK Lettland, dann der Präsident hiervon sowie Kurator des Rigaer Motormuseums. In diesem Jahr veranstaltete er seine zehnte internationale Kurland-Rallye.

Das Rätsel um Bukse ist nun also folgendes: Herr ekabs Bukse (1979-1942) war eine berühmte Radsportlegende. 1912 eröffnete er eine Fahrradwerkstatt in Riga. Fortan tätigte man dort auch Motorradreparaturen. Herr Bukse wurde ein Händler und Vertreter für die berühmten Fahr- und Motorräder von BSA. Seine Werkstatt war ein beliebter Treffpunkt für Motorradenthusiasten. Spater fertigte er Seitenwagen, Beinprotektoren und anderes Zubehör rund ums Motorrad. Jekabs Bukses Werkstatt fertigte bis 1940 auch Fahhräder, wobei er oft auf Teile von BSA zurückgriff. Sein Lebenwerk nahm aber ein jähes und grausames Ende: Er wurde vom russischen Militär deportiert und starb 1942 in Solikamska, einem Arbeitslager im Ural.

bukse
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Nun war mir dank Herrn Rambas Informationen einiges klar geworden. Wie und wann die BSA nach Thüringen transportiert wurde wird wohl ungeklärt bleiben.
Die einzelnen Brocken meiner M23 dümpelten weiter vor sich hin. Für die nächste Zeit habe ich es mir aber vorgenommen, ein paar Arbeiten zu erledigen. Die zwei M20 Motoren gab ich her, in der Hoffnung nicht voreilig gehandelt zu haben. Ein guter Freund versprach mir übrigens ein Getriebe. Nur der M23 Motor ließ auf sich warten. Tatsächlich geschah das Unglaubliche: Am 17. Juni 2009 erhielt ich eine Email eines netten Herren, o ich denn noch Interesse an einem Empire Star Motor hätte. Aber llar doch! Er sei auf meine M-Story aufmerksam geworden und wolle mir nun behilflich sein. Freudestrahlend und euphorisiert betrachtete ich mir seine zwei angefügten Bilder.

Der äußerliche Eindruck ist einwandfrei, keine Kühlrippe ist gebrochen, keinerlei Beschädigung ist zu sehen und alle Teile sind an ihrem Platz. Das Tolle daran, es ist ein 1937er HM23 und obendrein ein einportiger, genau, wie ich es mir wünschte! Die Motornummer ist quasi nahezu passend zum Rahmen.

Natürlich hätte ich auch einen späteren um 1940 genommen, zu hohe Ansprüche in punkto Originalität sollte man diesbezüglich nicht stellen. Und nebenbei sei erwähnt, dass er praktisch ums Eck abholbereit steht. Wie es nach dem Erwerb des Motors dann weitergeht, wird im dritten Teil der M-Story zu lesen sein.

Bis dahin, viele Grüße aus Stuttgart,

Dominik

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Dieser Text ist eine geringfügig editierte Version des Originaltexts, der im CBBC-Info Magazin 4 2009 veröffentlicht wurde...
(1) Edvins Liepins und Janis Seregins From Lautner to Erenpreis: 100 years of bycicle production in Latvia (2008) p.128

 


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