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alteisentreiber.de - Dreiländerfahrt 2010 (eine Winterausfahrt vom Georg D.)

 

 

Dreiländerfahrt 2010

oder: DLWF, Unfall, Kupplung, ADAC ...

 

Hallo miteinander.

Ich weiß, es ist eine blöde Überschrift, aber da es eine etwas längere Geschichte ist...

Los ging alles am Freitag um 11°°. Da bin ich zur 3 Länder-Winterfahrt gestartet. Als ersten Punkt hab ich mir Bretzwil im Basler Umland ausgesucht. Bei der Abfahrt war noch alles trocken, aber schon ab Karlsruhe leichter Regen. Trotzdem waren die ersten 300 Km kein Problem und fast wäre ich auch ohne zu Schrauben angekommen. Am steilen, schneebedeckten Anstieg zum ersten Kontrollpunkt macht mein Motorrad laute Geräusche und will nicht mehr vorwärts. Absteigen und im 1. Gang mit Schieben den Berg hoch. Dann den 2. rein und ich schaff die letzen paar Meter fahrend. Bis um 16°° hab ich noch eine halbe Stunde Zeit , schraube den Limadeckel runter und sehe, dass die Kette zu locker ist. Die hatte ich aber erst vor zwei Wochen gespannt. Also nochmal nachspannen, Deckel drauf, probefahren - alles in Ordnung.

schneestrasse

Dann gilt es die erste Aufgabe zu lösen, die Teilnehmer stehen schon Schlange. Los gehts zum 2. Kontrollpunkt am Dreiländereck in Basel, mittlerweile wird es schon dämmerig. Irgendwas stimmt nicht, ich hab nur noch die drei kleinen Gänge. Egal, zum Kontrollpunkt sind es noch ca. 20 Km, die schaff' ich noch. An eine Kreuzung ran, abbremsen und runterschalten. Geht aber nicht. Dafür gehts hoch und jetzt hab ich nur noch Gang 4 und 5. So kann man aber nicht fahren und ich rette mich bei mittlerweile starkem Regen in eine Bushaltestelle.

schneemotorräder

zwei hondas

Am Kupplungszug kann ich die Schaltung soweit justieren, dass es erst mal weiter gehen kann. Das Dreiländereck ist mittlerweile abgehakt, inzwischen ist es stockdunkel, der Regen bleibt. Auf gehts Richtung Utzenfeld im Süd-Schwarzwald, mittlerweile im richtig starken Regen, ich spüre schon wie ich langsam im Nassen sitze. Der Regen wechselt jetzt in Schneefall über, nicht minder heftig.

schneeauffahrt

Das einzig positive ist mein Heizvisier. Den Atemabweiser hab ich probeweise auch aus dem Helm genommen, jetzt ist alle noch viel besser. Immer klare Sicht und keine angelaufene Brille. Und ich spüre die Wärme um die Nase, super. Nur bei sehr heftigem Schneefall muss ich mal mit dem Finger übers Visier wischen, so schnell kann der nicht schmelzen. Nie mehr fahr ich ohne ein solches Visier im Winter, das ist einfach genial und überhaupt kein Luxus, sondern eigentlich ein Muss.

kontrollpunkt

Am Kontrollpunkt Utzenfeld zieh ich meinen Thermoboy an, der ist noch trocken. Und vom Kumpel Andreas krieg ich noch eine zweite Regenkombi. Dann gehts weiter, wir fahren jetzt mit zwei Gespannen in die Nord-Vogesen. Nochmal ca. 160 Km, um am nächsten morgen pünktlich um 6°° am Punkt Wildersbach starten zu können. Schlafen können wir in einer Scheune, in Gesellschft einer kleinen Schafherde. Nachtruhe keine, dafür trocken. Um 5°° aufstehen und packen. Dann um 6°° die Aufgabe lösen und los Richtung Tete de Coquin.

gespann im tiefschnee

Meine Freunde lassen es mit dem EML-Gespann flott angehen, ich habe so meine Schwierigkeiten, dran zu bleiben. Dann, auf einmal sind wieder nur die unteren Gänge schaltbar. So komm ich natürlich nicht hinterher und ein LKW drückt sich zwischen uns. Dann geht die Schaltung wieder. Ganz vorne seh ich zwei Rücklichter, denen fahr ich nach ohne aber näher zu kommen. Irgendwie stimmt was nicht, die Richtung kommt mir komisch vor. Es ist noch immer stockdunkel. An einer Baustellenampel komm ich dann näher und sehe, dass ich einem PKW nachgefahren bin, meine Kumpels sind weg.

Dann hab ich doch mal die Landkarte raus geholt und nach dem richtigen Weg gesehen. Leider hilft mir mein Navi in Frankreich nichts, da hab ich keine CD dazu. In der Schweiz und natürlich in Deutschland war es da einfacher, obwohl man vom Navinachfahren ja etwas blöd wird und keinerlei Orientierung mehr hat. Jetzt hätte es mir geholfen. Ja, ich bin ca. 10 Km falsch gefahren, kein Beinbruch, aber hier ist der Zeitrahmen schon sehr eng gesteckt und wer etwas ehrgeizig ist, muss sich schon sputen. Also zurück nach Schirmeck, da gibt es schon wieder ein mir gänzlich unbekanntes Geräusch und die ETZ zieht nicht richtig. Anhalten, nachsehen, es ist immer noch dunkel. Die Ursache ist schnell gefunden, der Krümmer ist lose. Hab den denn schnell von Hand wieder angeschraubt und weiter, doch nach 15 Km ist er wieder locker. Nochmal angezogen, wieder von Hand, da ich im Dunkel nicht nach Werkzeug suchen will. Einen Hakenschlüssel hab ich sowieso nicht. Dann weiter über den Donon, langsam dämmert es und ich erreiche Celles sur plaine um zum Coquin auf zu fahren. Aber der Kontrollpunkt ist schon auf 1/4 der Höhe, da danach alles nicht mehr passierbar ist. Aber auch bis hierher ist es schwierig, und wenn dir ein Krad entgegenkommt, wird das Ausweichen schwer. Auch hier die Aufgabe bewältigt und weiter und weiter zum Signal de champs, oberhalb von Grand Valtin. Zwischendurch heißt es immer mal wieder die Kupplung nachzustellen, ein paar mal auch den Krümmer anziehen.
Ansonsten läuft die MZ wie immer, nämlich wie die Sau, springt immer beim ersten Kick an, (seit ich die Wellendichtringe gewechselt habe). Es sind noch zwei weitere Punkte in den Vogesen anzufahren (ich kürz jetzt mal ein bißchen ab), dann über die Grenze in die Schweiz. Bei der Anfahrt zum vorletzten Punkt in Fontenais hab ich dann wieder das Navi benutzt, weil man da ja nicht denken muss. Nur bin ich beim Eingeben des Zieles wohl etwas abgerutscht und hab statt Ortsmitte irgend eine Strasse eingegeben. Die führte einen tollen Pass hoch, kleinste Wege, nur Skifahrer und ich. (Ach, ich hab vergessen zu erwähnen, wie toll die Fahrt in den Vogesen war, unvergesslich. Den Ballon d'Alsace hoch, komplett schneebedeckt, viel driften , Spaß haben..., dann die Abfahrt nach Sewen. Im Sommer schon ein Genuss, aber jetzt einfach nur super. Kurz anbremsen, der SW kommt, und rum ums Eck. Gibts was schöneres? ).

Auf jeden Fall meldet mein Navi als ich oben bin: bitte drehen Sie wenn möglich um. Klar, es ist möglich, nur hab ich wieder eine halbe Stunde verloren. Wieder den Berg runter, dann finde ich auch ohne Navigationshilfe den richtigen Weg. Wieder gehts im Wald auf verschneiten Pfaden hoch. Wegen einem Solofahrer muss ich ausweichen und bleibe im Tiefschnee stecken. Der Solofahrer ist jetzt allerdings weg und ich krieg die MZ nicht aus dem Schnee gezogen. Nach ein paar Minuten klappt es dann doch, aber ich bin nass geschwitzt. Der Kontrollpunkt ist nicht weit, aber im Tiefschnee. Aufgabe lösen, weiter. Wieder fahre ich mich fest, aber mit Schiebehilfe komm ich weg. Ein Kollege versucht seine ES anzuwerfen, vergeblich. Ich hab keine Zeit mehr und muss weiter, seine Kumpels sind ja dabei und helfen.

Hab dann aber doch mal angehalten, um mich mal um den Krümmer zu kümmern, der noch immer regelmäßig lose wird. Wie gesagt, einen Hakenschlüssel hab ich nicht dabei, aber wenn ich bedenke, wie viel Zeit ich schon in die Improvisation gesteckt hab, dann hätte ich es auch gleich richtig machen können. Also nehm ich mein Beil und einen mittlerweile eh schon stumpfen Stechbeitel, um die Krümmermutter anzuziehen. Die geht nie wieder von alleine auf.

Am Übergang von der Schneepassage zum Asphalt steht ein Solofahrer, der auch zum Ziel in Ferrette will. Ich habe mich entschieden, den letzten Punkt in Loveresse nicht mehr anzufahren, da es zeitlich einfach zu eng werden würde. Wir quatschen etwas und ich sage, dass ich mich ihm einfach anschließen werde (da muss man wieder nichts denken - der Kutscher kennt ja den Weg). Während unseres nun doch schon längeren Gesprächs sagt er mir, dass er nur noch auf seine Kumpels wartet, die noch am letzten Punkt sind. Das waren eben die, die unter anderem auch mit der ES da waren. Oh, sag ich, die wird wohl nicht anspringen, wie spät ist es denn eigentlich? 14:50 sagt er. Verdammt, nur noch 40 Minuten Zeit, um ohne Strafpunkte im Ziel anzukommen und noch 40 Km zu fahren. Hab dann den Grenzübergang nach Frankreich im Navi eingegeben (das Ziel selbst einzugeben ging ja nicht, weil keine Frankreich-Karte vorhanden ist). Ok, warten kann ich nicht mehr, also alleine los. Das Navi sagt: Erreichen der Grenze um 15:18. Ich lass' es laufen und geb Gummi, ich kann das ohne Abzug schaffen.
Ca. 10 Km vor der Grenze fahre ich eine kurvige Bergstrecke hoch, überhole noch einen Radfahrer, dann rein in eine Rechtskurve, die macht immer weiter zu, ich seh ein Auto kommen und auch mein SW kommt - nämlich hoch. Da hilft gar nichts mehr, ich komm auf die andere Seite. Der Audi bremst voll ab, trotzdem gelingt es dem Fahrer nicht mehr rechtzeitig anzuhalten und er erwischt mich am Beiboot. Ich glaube an mein Ende, finde mich dann aber doch im Tiefschnee liegend wieder. Kurz bleib ich noch liegen, um gedanklich alles zu sortieren, dann denk ich nur noch: du musst aufstehen, schau nach, ob alles noch geht - und es geht, auch wenn es an manchen Stellen ganz schön zwickt.

lädierter audi

Die Unfallgegener (heißt das so?) sind Schweizer, sprechen kein Deutsch oder Englisch, ich kein Französisch. Trotzdem sind sie sehr nett und haben durchaus Verständnis für die Situation. Wir stellen die MZ wieder auf die Beine, damit der Sprit nicht ausläuft. Leider habe ich außer Personalausweis und Führerschein keinerlei Papiere dabei. Sie notieren alles, Fahrzeugpapiere hab ich nicht da, und holen trotzdem keine Polizei. Dafür bin ich sehr dankbar, denn in der Schweiz kostet das erstmal immer einiges. Sie verlassen sich auf mein Wort (nur ich alleine weiß dass das wirklich zählt) und ich kann es kaum fassen (woher dieses Vertrauen?). Der Audi fährt samt Besatzung weiter. Ich bleibe zurück und will erst mal eine Bestandsaufnahme machen. Der Seitenwagen ist verbeult und eingedrückt, das Rad steht schief und dreht sich nicht mehr, der Kotflügel ist eingedellt, mein Gepäck liegt verstreut herum... .

lädierte mz

lädierter seitenwagen

lädierte haube

Während ich so alles mal sortiere, kommt ein einheimischer Bauer vorbei, er spricht deutsch. Im Ort unterhalb der Staße sei sein Hof, und wenn ich Hilfe bräuchte, könne ich mich jederzeit an ihn weden. Das Motorrad könne auch bei ihm abgestellt werden. Ich bedanke mich, will aber erst mal selbst für alles Weitere sorgen.
Ein vorbeikommender Gespannfahrer, den ich schon vom Wildsautreffen kenne, hält an und fragt nach, ob er helfen kann. Er kann meine Freunde am Ziel in Ferrette von meinem Mißgeschick unterrichten. Wird er auch machen. Ich versuche die ETZ wieder zum Laufen zu bringen, was auch gelingt. Nur stecke ich heillos im Tiefschnee fest und das Seitenwagenrad dreht sich nicht meht. Also erstmal Kotflügel abschrauben, dann dreht sich das sehr schief stehende Rad wieder. Sieht aus wie beim Speedway.

kotflügellos

Ein Kick, die Emme läuft. Gang rein und Gas geben, dabei schieben, zerren, ziehen. Das Hintererad wühlt, aber es ist fast aussichtslos. Mit letzter Kraft schaffen wir beiden wieder Gripp unter die Räder zu kriegen. Wir sind auf der Straße, die Kupplung stinkt gewaltig. Ich sortiere das Gepäck, packe alles wieder zusammen und denke, dass ich es bis Ferrette schaffen kann. Also ankicken und los, denk ich. Natürlich ist klar, dass ich mittlerweile nicht mehr in der Wertung bin. Nur:
Ankicken geht nicht, der Kickstarter geht leer durch.

In meiner Not rufe ich den ADAC an. Warteschleife, Callcenter: möchten Sie uns ihr Problem schildern - drücken Sie die 1, keine Probleme - die 2, Probleme im Ausland - 3 usw. Es dauert ewig, da meldet sich dann eine Dame. Ich schildere ihr mein Problem. Frage: wo befinden Sie sich genau. Weiß ich nicht, laut Navi auf der Route de Bourrilongne. Das brauch ich schon genauer, sagt sie. Ganz genau hab ichs, nur weiß ich nicht wie's heißt, ich geb ihr die Koordinaten durch, welch auf dem Navi stehen. Genauer gehts dann wirklich nicht mehr. Nach kurzer Zeit sagt sie mir, sie könne damit nichts anfangen, ich müsste ihr schon den Längengrad durchsagen. Oh Gott, die Tante blickts nicht.
Immerhin bekommt sie heraus, dass ich nur Basismitglied sei und deshalb im Ausland keinerlei Unterstützung erhalten werde. Dies war mir gar nicht bewußt. Ich bin seit 30 Jahren ADAC- Mitglied, und war der festen Meinung, dass mir jede möglich Hilfe zu Gute kommen wird.
Nein, sie könne gar nichts für mich machen, außer einen Abschlepper zu schicken, den ich aber sofort bar bezahlen müsste.
Ich bin enttäuscht, auch wegen meiner Uninformiertheit.

Während ich noch mit ihr telefoniere bricht die Verbindung ab. Kein Guthaben mehr. Das ist mir noch nie passiert, weil mein Handy immer automatisch wieder aufgeladen wird, per Bankeinzug. Nur hat eben dieses Auslandsgespräch mit dem ADAC (Warteschleife usw.) eine Menge Geld gekostet. Und so schnell laden die Leute meines Telcos (mit dem bin sehr zufrieden bin) nicht nach.
Da steh ich nun in der Dämmerung auf einer Passstraße, mit ohne Handy, frustriert und alleine. Nein, alleine bin ich nicht, eine defekte MZ ist auch noch da, aber das tröstet mich nicht.
Da kommt doch endlich mal wieder ein Auto (es ist mir noch immer ein Rätsel, wie ich eines erwischen konnte, wo doch kaum eines kommt, aber die Sache mit dem Unfall ist mir eh noch nicht klar. An der Geschwindigkeit lag es nicht, der Seitenwagen war voll beladen und schwer. Damit wäre ich im Normalfall um jede Ecke gepfiffen. Auch wenns extrem kommt. Ich denke mal, dass ich einen kleinen Augenblick nicht konzentriert war, und deshalb beim Erkennen der Gefahr nicht konsequent genug um die Ecke wollte. Da war ich zu überrascht.)

Also halte ich das Auto an, der Fahrer nimmt mich auch gleich mit. Beim Bauernhof steige ich aus und klingle. Andre, so heißt der Bauer, ist in der Werkstatt und ich suche ihn dort auf. Von diesem Menschen und seiner spontanen Hilfsbereitschaft bin ich so beeindruckt und gerührt, dass mir fast die Tränen kommen.
Zuerst mal kann ich selbstverständlich bei Andre telefonieren. Auch das Angebot steht, die MZ auf seinem Hof unterzustellen. Mich würde er sofort zu meinen Kumpels nach Ferrette fahren, oder ich kann mit seinem LKW meine ETZ nach Hause fahren. Wo gibt es sowas??? Der Mensch kennt mich nicht, wir haben noch keine 5 Minuten miteinander gesprochen und er bietet mir uneigennützig jede mögliche Hilfe an. Sowas hab ich noch nie erlebt (höchstens unter Freunden).
Nach langem Überlegen entscheiden wir uns wie folgt: Andre und ich verladen die ETZ auf seinen LKW und er fährt uns die 45 Km nach Ferrette in Frankreich.
Dort treffe ich meine Kumpels wieder und nach dem Abladen gehn wir in den Gemeinschaftsraum, wo auch die Siegerehrung stattfinden wird. Andre fährt gleich wieder nach Hause.

beim bauer gibts bier

Wir sitzen also im Gemeinschaftsraum am Zielpunkt in Ferrette und lassen es uns gut gehen. Hier gibt es Kronenbourg-Bier in 0,75l Flaschen, von denen schütt' ich mir ein paar rein, ein Flachmann macht die Runde, zwischendurch noch Spaghetti. Meine Geschichte muss ich jetzt schon zu 5. Mal erzählen. Alleine mein Kumpel Otto (Rentner und Beifahrer von Andreas mit dem EML-Gespann) will die Geschichte zweimal hören. Er sitzt hier auch schon ein paar Stunden länger als ich und das merkt man deutlich. Vor allem schätzt er schon seit Stunden das Alter einer Dame hinter dem provisorischen Thresen.
Dann kommt die Siegerehrung, alle Teilnehmer die in Wertung angekommen sind werden mit Platzierung in den jeweiligen Klassen genannt. Ich bin nicht dabei, war ja auch klar. Trotzdem rechne ich mit und bei meinem erreichten Punktstand wäre ich ganz locker in den vordersten Pokalrängen gelandet. Aus dem Blechpott hätt ich mir nicht vielgemacht, davon hab ich schon viele nach Jahren entsorgt, aber gefreut hätt' ich mich trotzdem. So bin ich halt, anststatt in den Pokalrängen, im Straßengraben gelandet. Etwas betrunken, aber froh darüber, dass außer Blech nichts zu Bruch gegangen war, mach' ich mich auf den Weg zum Moped. Meine zwei Kumpels sind schon seit ca. 2 Stunden im Zelt.

schlafstatt im heuschober

Ich habe keines mit, sondern nur eine Plane eingepackt. Wo ich meine Taschenlampe habe , weiß ich nicht mehr. Die hab ich nach dem Unfall irgendwo reingesteckt. Und ohne Lampe find ich jetzt die Lampe nicht. Also im Dunkeln, bei sternenklarer Nacht, das Feldbett aufgestellt, Schlafsack drauf, fertig. Die Plane pack ich nicht aus, ich denk mir, das bißchen Tau am Morgen kann nicht so wild sein. Wäre wohl auch so gewesen. Nach ein paar Stündchen Narkose wache ich auf und es regnet. Außen ist der Schlafsack schon tropfnass, innen zum Glück noch trocken. Aufstehen, doch noch die Plane rausholen, welch ich aber nur über mich lege. Nur am Kopfende hänge ich einen Gummispanner ein und mache den an einem Busch fest, so dass mir die Plane nicht auf dem Gesicht zu liegen kommt. Weiterschlafen bis um 8°°, dann stehen die Freunde auf und gehen frühstücken.

Also während meine Freunde noch beim Frühstück sitzen, packe ich meine Schlafstatt zusammen und verpacke alles in die Ortliebsäcke. Die Plane ziehe ich über das Gespann, um im Trockenen daran arbeiten zu können. Ich kram die Werkzeugbox raus, welche durch den Unfall auch zerbrochen ist und mach mich dran, die Kupplung einzustellen. Mittlerweile ist auch Andreas wieder da und geht mir zur Hand. Eigentlich geht das ja auch alles ziemlich schnell, Kupplung fühlt sich gut an, alles wieder festziehen, kicken. Wieder läuft das Moped beim ersten Kick, habs fast schon so erwartet. Gepäck aufladen, Rüstung anziehen und runter von der Zeltwiese. Jedenfalls fast. Der Boden ist leider nicht gefroren und daher matschig, ich muss schon ein wenig mit dem schmierigen Untergrund kämpfen, also viel Gas und durch. Ich komm fast raus, den Rest schieb ich mit Andreas'`Hilfe. Die MZ hab ich dabei abgewürgt. Wieder draußen auf Asphalt betätige ich den Kicker, aber diesmal rutscht er durch. Sch***e, mit der Kupplung wird das wohl nichts mehr. Die BMW ist auch draußen und wir schieben die Emme an. Drei Meter weiter läuft sie, aber beschleunigen ist sehr mühsam, die Kupplung rutscht.

Wir fahren los, sehr zaghaft, ich muss extrem vorsichtig beschleunigen (naja, so kann man es eigentlich kaum nennen). Ganz langsam nur kann ich Fahrt aufnehmen, sobald ich auch nur minimal zu stark am Gasgriff drehe, ist das einzige was sich bewegt die Drehzahl. Vorschub gibt es keinen merklichen. Wir wollten durch die Vogesen wieder heimwärts fahren, aber das können wir vergessen. Andreas kennt eine Strecke Richtung Mühlhausen (in Frankreich), die kaum oder fast keine Steigungen hat. So plagen wir uns die nächsten vielleicht dreißig Km. Kurz vor Mühlhausen versuchen wir auf die Autobahn zu kommen, um den Stadtverkehr zu umgehen. Es ist nicht möglich, jetzt geht gar nichts mehr vorwärts und ich bin froh, dass wir gerade noch vor der Autobahn, quasi auf der Auffahrt stehen bleiben. Jetzt hilft nur noch das Abschleppseil.

abschleppung

Andreas hängt mich an die Kuh und wir fahren von der Auffahrt wieder runter, weil uns abschleppen auf der Autobahn doch zu gefährlich erscheint. Nicht etwa wegen dem Fahren, nein wegen der Polizei und den eventuell damit verbundenen Kosten.
Also müssen wir halt durch Mühlhausen durch und ich sage euch, es war die Hölle. Großstadtdschungel pur, ich hänge in ca. 2,5 Metern Abstand an der BMW, rechte Hand und Fuß immer an der Bremse um das Seil möglichst gespannt zu halten. Hier ist absolute Konzentration gefragt, ich will nicht auch noch das schöne BMW-Gespann beschädigen. Und dann verfahren wir uns. Für die Strecke durch Mühlhausen brauchen wir bestimmt eine volle Stunde. Endlich sind wir aus der Stadt draußen und die nächsten Kilometer bis zur deutschen Grenze sind schon entspannter. Wir kommen ohne weitere Probleme über den Rhein. Gleich nach der Grenze, auf einem Parkplatz, von welchem aus ich schon die Schilder Basel lesen kann, nimmt mich Andreas vom Haken. In Deutschland ist es ihm zu heiß mich weiterhin zu schleppen. Ok, ab hier hilft mir ja der ADAC denk ich. Otto und Andreas verabschieden sich und kehren wieder um nach Frankreich. Sie werden durchs Elsaß nach Hause fahren. Es ist jetzt 14°° und ich merke deutlich, dass ich heute noch nichts gegessen und auch noch nichts getrunken habe.

am seil

Auf dem Parkplatz pack ich mein Werkzeug aus, und mach mich erneut ans Kupplungeinstellen. Noch hab ich Hoffnung vielleicht doch noch auf eigener Achse nach Haus zu Kommen. 250 KM liegen noch vor mir, aber als ich den Deckel runternehm und den Gestank bemerke, ist mir fast schon klar, dass es nichts mehr werden wird. Die MZ springt wieder gleich an, aber keinerlei Vorschub. Ich mach noch zwei weitere Einstellversuche, dann geb ich auf. Handy raus und den ADAC angerufen. Ich hab wieder eine Callcentertusse dran, die mich nach meiner genauen Position fragt. Diesmal ist es ganz einfach: ich steh genau an der Auffahrt zur A5, auf einem Park&Ride Parkplatz, Richtung Basel, Abfahrt Müllheim, an der Straße nach Mühlhausen.
Schweigen am anderen Ende. Hallo, sind Sie noch da? Ja, sagt sie - Mühlhausen, dann sind sie ja in Frankreich. Nein ich bin zwar nur kurz nach der Grenze, aber in Deutschland. Weil, wenn sie in Frankreich sind, dann können wir ihnen leider nicht weiterhelfen, sie sind nämlich nur Basismitglied. Weiß ich mittlerweile auch, und habs schon bereut, aber jetzt bin ich in Deutschland.
Wie heißt denn die Straße nun genau, auf der sie stehen? Ich weiß es nicht, aber es ist die Straße von der A5-Abfahrt Mühlheim nach Mühlhausen Frankreich. Ah, dann sind sie ja in Frankreich. So langsam bekomm ich einen dicken Hals. Nein ich bin in Deutscland. Jetzt hab ich meine Landkarte ausgepackt, die Koordinaten vom Navi mag sie nicht haben. Ich sag, ich steh an der 39, die geht nach Mühlhausen. Ach so, dann sind sie ja in Frankreich, eine 39 hab ich hier nicht in meinem Verzeichnis. Ich habe Mühe mich zu beherrschen und nenne ihr zwei Ortsnamen, zwischen denen die 39 auf der Karte waagerecht verläuft. Angeblich gibt es die Straße nicht und ich müsste mich wohl in Frankreich befinden. Ich hab inzwischen etwas Panik, dass vielleicht auch noch der Handyakku versagt und gerate so in Rage, dass ich die Dame absolut rund mache, schreie und tobe. Ob sie mich denn eigentlich für zu blöd hält eine Karte zu lesen, und wenn sie keine Ahnung von ihrem Job hätte dann soll sie es doch lassen, ich sag ihr, sie soll das Gepräch speichern und ich werde mich, sobald ich wieder Luft krieg, nochmals melden.

In der Zwischenzeit hab ich privat so alles versucht was möglich ist. Aber ohne Erfolg. Da wären wohl ein paar Freunde, aber denen wollte ich das Abholen nicht zumuten, da ich weiß, dass sie schon in wenigen Stunden wieder mit dem LKW unterwegs sein werden.
Also ruf ich wieder beim ADAC an, schließlich bin ich Mitglied und in Deutschland. Diesmal hab ich einen Herrn dran. Ich erkläre ihm, dass seine nichtsblickende Kollegin wohl einen Telefonauftrag geschrieben hat und ich gerne von hier abgeholt werden würde. Er findet den Aufschrieb sofort, weiß auch schon, dass es sich um eine MZ handelt, und fragt mich nochmal nach dem Standort. Ich sag: Abfahrt Müllheim von der A5; Richtung Mühlhausen, gleich auf dem Parkplatz. Darauf er: ach so, dann sind sie ja auf dem Park&Ride, kein Problem, in 20 Minuten ist ein Abschlepper bei ihnen. Auch so kanns gehen.

adac huckepack

Der Abschleppwagen ist wirklich binnen einer halben Stunde da, nimmt mich Huckepack und bringt mich nach Bad Krotzingen zum Autohaus. Mehr ist ja nicht drin, ich bin halt nur Basis- Mitglied.
Ein Taxi bringt mich zum Bahnhof nach Freiburg (30.- €), dort kauf ich mir gleich zwei Büchsen Bier und einen Fischweck. Bisher hatte ich nochimmer weder getrunken noch gegessen.
Der IC geht um 17:56 nach Karlsruhe (29.- €), meinen nassen Schlafsack hab ich im Ortliebsack dabei, damit er nicht schimmelt, ich weiß ja nicht, wann ich wieder runter fahren kann um das Moped zu holen. Im Zug schlaf' ich dann eine Runde, bis mir dann eine Dame auf die Schulter tippt: entschuldigen Sie bitte, ich hab' genau diesen Sitzplatz gebucht. Kann schon sein, sag ich, verkneife mir aber weitere scharfe Kommentare, obwohl mir danach ist. Um mich rum gibt es zwar nicht üppig, aber doch genug freien Sitzplatz, da hätte sich die Tante doch auch einfach setzen können. Aber nein, so ist das in Deutschland, da fällt mir wieder Andre`ein.
In Karlsruhe steig ich nach einer Stunde aus dem Zug, 25 Minuten später fährt die Stadtbahn nach Eppingen, mein Wohnort. Die nehm' ich und fahr schwarz nach Hause, wo ich mir noch ein Bier gönne.
Am Montag hab ich Schicht, daran lässt sich auch nichts ändern, aber am Dienstag kann ich tauschen. Mein Wachenleiter übernimmmt meinen Dienst und ich mach mich um 8°° Uhr auf nach Bad Krotzingen. Um 11°° hab ich die MZ schon auf dem Anhänger und es geht zurück zur A5.

emmengespann im hänger


Es war ja eigentlich klar, dass noch etwas dazu kommen muss: nämlich ein schwerer LKW- Unfall auf der A5 bei Offenburg. Drei Stunden Vollsperrung, ich mittendrin. Ich nehm's gelassen, nützt ja eh nichts.
Ok Jungs und Mädels, das wars. Alles in Allem ein sehr interessantes und abwechslungreiches Wochenende.
Danke auch fürs Lesen. Ich mach jetzt das Möp wieder klar und dann gehts weiter.

Gruß Georg

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Danke Georg. Bist nominiert für den Balls of Steel Award 2010 ;)

 


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