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alteisentreiber.de - Gamsstein 2009

 

 

Gamsstein 2009

oder: und es geht doch :) Eine Geschichte vom KNEPTA

 

An Schlaf ist nicht zu denken. Die Nachbetrachtung des Erlebten bei diversen Schnapstees und anderen belebenden Getränken dauert an.

Zeit Zurückzublicken, während sich der Ingenieur in der Dusche kultiviert.

Di. 1.12.

Nachdem mein Vertrauen in die von Justus und mir zusammengebratene Lichtmaschine, die alte ist 4 Tage vor dem Abfahrtstermin endgültig abgebrannt, nicht allzu groß ist, beschließe ich eine völlig neue kurze Version zu bauen und dann die Ausrüstung zusammenzupacken. Leider verstricke ich mich in diverse Details, scheitere an meine durch den Hausbau (mehr Holz als Eisen) verwässerte Logik und bau um 2 Uhr endlich den fertigen Stromspender in die Knepta ein. Probelauf ist nicht, sonst weck ich die gesamte Nachbarschaft auf.
Packen ist nicht, der Mensch braucht ein bißerl Schlaf.

oben original CCCP 150 Watt

unten Iskra Eigenbau ca 550 Watt

Mi 2.12.

6.30 Tagwache, Knepta kurz anstarten und das neue Amperemeter springt in den +Bereich. Statisch funktioniert meine Konstruktion, Probefahrt ist leider nicht möglich, muß in die Firma und 1km Testfahrt ist nicht wirklich aussagekräftig.
Voller freudiger Erwartung auf das Kommende biege ich den Arbeitstag herunter und versuche in Gedanken die Lagerorte der Ausrüstung ausfindig zu machen. Ich komm auf maximal 50%, der Umbau hat auch hier seine Spuren hinterlassen. Um 16.00 schau ich noch einmal auf den im Büro ausgehängten Urlaubsplan um mich zu vergewissern, daß ich mich wirklich auch für Montag eingetragen habe. Hab ich, nur jetzt seh ich Trottel, daß auch am 2.12. also HEUTE mein Namen in der Liste steht.

Schnell heim, Iwan zusammenbauen, Gepäckträger montieren, Werkzeug und Ersatzteile suchen, eventuell finden und verstauen.

So gegen 8 kommt der Ingenieur und beginnt sein Wartungsprogramm. Bereits bei der Abfahrt in Graz hat die hintere Bremse ihren Bremsauftrag zu übermotiviert ausgeführt, sodaß die Bremsabstützung aufgegeben und sich verabschiedet hat. Der Bremsnocken hat sich um 180 Grad verdreht und somit auch der Bremshebel und die Tragplatte.
Eine neue Bremsabstützung aus einer Entenspurstange wird erschaffen und das ausgerissene Gewinde an der Tragplatte wird V-coilisiert.
Zwischendurch such ich verzweifelt die Schlafsäcke, Unterlegsmatten und all die anderen Dinge.
Es ist schon spät als wir ans Eingemachte gehen und die Kettenkonstruktion für die Panuki in Angriff genommen wird. Flexen, bohren, hämmern, zum Glück für die Nachbarn hab ich schon ein Tor zur Werkstatt.

Gegen 2 ist die Kette soweit fertig und die Krümmermutter wieder fest am Kneptakopf fixiert. Wir beschließen am nächsten Tag früh aufzustehen, aufzupacken und dann noch eine Spannkette beim Baumax zu holen. Außerdem brauchen wir ja noch Bremsenreiniger, 2-taktöl und für die Panuki einen neuen Kerzenstecker.
Das geht sich morgen locker aus, liegt eh alles am Weg.

3.12.

AAAAAAAAAAAHHHHHH verschlafen. Gegen 11.00 kommen wir weg.
Nach 0,8km leidet die Knepta unter Motoraussetzern, erst das Drehen vom Benzinhahn auf Reserve läßt sie wieder rund laufen.
Ich werde einen Zähler in den Schlauch zum linken Vergaser einbauen, wird doch die Knepta von Dorli immer als Rasenmähertankstelle mißbraucht.

Die Kette für die Schneekettenkonstruktion der Panuki wird gekauft und der neue Kerzenstecker wird an das Zündkabel der Panuki befestigt.

Nach 5km ist die Panuki aus dem Rückspiegel verschwunden. Ich dreh um. Sie steht am Straßenrand und Alex ist schon halb im Kabelgewirr verschwunden.
Der Motor ist einfach ausgegangen und läßt sich nicht mehr starten. Zündung.

Der Ingenieur läuft zur Hochform auf, verbraucht vier 12Volt Lötkolben, ein Tuberl Superkleber und verbaut schlußendlich nach eingehender Analyse seinen Reservehallgeber. Motor läuft.
Der neugekaufte no-name Kerzenstecker entpuppt sich als Täter allen Übels.
Schon kaputt bevor er eingebaut wurde hat er als versteckter Funkenstrecker dem Hallgeber mit massiven Überspannungen den Rest gegeben.
Wir beschließen noch eine Kleinigkeit zu essen und gegen 3 Uhr brechen wir Richtung Turracher Höhe.
Später in Zeltweg am Kreisverkehr:

Ich auf der Knepta mit Iwan im Beiwagen. Von links kommt Tomcat mit Familie im Bürgerkäfig daher (Richtung Heimat?)
Iwan vom Beifahrersitz: Schau mal, Spinner!
Ich: Grins
Fahre weiter, der Bürgerkäfig vor mir her.
Iwan: Fahr schneller, überhol doch, hier sind 80 erlaubt.
Ich: Grins
Im nächsten Kreisverkehr winkt er die Gespanne vorbei, bin mir sicher daß er uns erkannt hat, fahre dann vor ihm her und erfreue mich an der freien Sicht, am Geräusch des Russenboxers, Panuki ist nicht zu hören.
Iwan: Gut gemacht, im Kreisverkehr überholen, das gefällt mir.
Ich: Grins

10 km später ein Schreck, die Panuki rollt wieder aus. Bitte nicht die Zündung. Gott sei Dank nur der Strom. Die Lichtmaschine liefert nicht die benötigte Menge die Motor und fette Scheinwerferbirne verbrauchen, außerdem befinden wir uns in einem Baustellen-und Umleitungswirrwar, mit Schritttempo und stop and go.
Eine Zigarettenpause später hat sich die Batterie soweit erfangen, daß der Motor wieder anspringt. Die Kontrolle an der Tankstelle läßt keinen Fehler erkennen, der Scheinwerfer tut wieder seinen Dienst, trotzdem beschließt Alex mit Standlicht weiterzufahren und nur bei Bedarf oder Gegenverkehr den Scheinwerfer einzuschalten.

Weiter geht es der Mur entlang bis uns der Wegweiser links Richtung Turracherhöhe abbiegen läßt. Es wird deutlich kälter als wir die Paßstraße hinaufdonnern, nur der Knepta, der wird es deutlich wärmer, ich hab mal wieder zuviel eingepackt. Trotzdem erreichen wir, zwar etwas zeitversetzt, den Gipfel. Herrlich, der erste Schneekontakt in dieser Saison.

23% runter Richtung Kärnten. Dann nach Westen den Millstättersee entlang, dann durchs Mölltal Richtung Osttirol. Kurze Stopps um zu Tanken, sich aufzuwärmen. Es läuft. Wann wir genau beim Iselsberger Sepp aufschlagen, weiß ich nicht. Am Stammtisch finden wir schon einen Teil der Südsteirer und einen Wiener Feuerwehrmann vor.
Essen, dann ab in die Werkstatt um der Panuki mehr Strom einzuhauchen, das herausgerutschte Kabel ist nach 2 Minuten gefunden und wieder reingesteckt.

So sollen Reparaturen funktionieren. Ein Gute Nacht Bier und dann fallen wir nach einer heißen Dusche ins frisch bezogene Bett, wie es sich für eine dekadente Altherrenpartie mit Zahn- und Wirbelsäulenproblemen gehört.

2/3 der Anreise haben wir geschafft und meine Lichtmaschine funktioniert noch immer.

4.12

Spät abder doch finden wir aus dem kuscheligen Doppelbett


Der Blick aus dem Fenster. ES SCHNEIT. Gerade sehen wir noch wie Frühaufsteher Richtung Gamsstein abreisen und gönnen uns ein luxuriöses Frühstück.

Schon die Auffahrt von der Werkstatt vom Iselsberger Sepp zur höher gelegen Straße gestaltet sich als äußerst schwierig. Unter der 2cm dicken Schneeschicht in Pulverform ist der Asphalt schmierig wie ein Stück Seife. Dem Nokian werden zum ersten Mal seine Grenzen aufgezeigt. Nach einigen Versuchen gelingt es doch. Die Hausbesitzer, deren Zufahrt ich als Startrampe mißbraucht habe werden noch einige Zeit damit beschäftigt gewesen sein die heruntergefallenen Bilder wieder aufzuhängen, vom zerbrochenen Porzellan und gesplitterten Glas will ich gar nicht reden....

Auf der Straße dann echtes Winterfahrerparadies. Der Hakaa vorne bremst ausreichend und der Nokian sorgt für den nötigen Vortrieb.
Dem Ingenieur geht es nicht so gut. Der hintere Sommerreifen, den er für die Anreise montiert hat um den Immler zu schonen, ist komplett überfordert, so beschließen wir in Lienz an der Tankstelle den Reifen zu wechseln. Nur mit größter Gewaltanwendung und ordentlichem Gefluche läßt sich die stahlharte Karkasse auf die Felge zwingen.

Unsere Stimmung wird kurz erhellt als ein grüner Russenboxer mit Klaus am Lenker vorbeibrodelt. Leider hat er uns nicht gesehen.

Die weitere Anreise Freud und Leid. Freude über die Fahrbahnverhältnisse und Ärger über schleichende Autos, blendende Fernlichtzusatzbreitundnebelscheinwerferbenutzer und anlaufende und gefrierende Visiere.

Wir passieren den Felbertauerntunnel ohne Probleme und nehmen die alte Gerlosstraße. Komisch, die Autofahrer die hier unterwegs sind fahren schnell rechts ran um uns vorbeizulassen.

Irgendwann, es ist bereits finster quälen wir uns durchs Zillertal, schütten den Reservekanister in den Tank und versorgen uns mit den nötigen Dingen für Geist und Körper.

Endlich in Schwaz, dann der Pillberg. Kurz vorm Sumperer müssen wir stoppen, ein Hindernis in Form einer Supertenere liegt quer über der Straße und ein Zündfix steht daneben und wachelt mit den Händen, vermutlich befürchtet er, daß ich einfach drüberfahre, wer schenkt gerne Schwung her.

Gemeinsam stellen wir das Monster wieder auf die Räder Richtung Tal und Zündfix läßt sie anrollen, da irgendwie der Strom abhanden gekommen ist. Kurze Zeit später kommt er wieder zurück und wir werden von einem netten einheimischen Seitenventilfahrer mit Schnaps versorgt.

Dann starten wir die Motoren um die letzten Meter zum Kettenanlegeplatz zu überwinden.
Oben angekommen zeigt mein Amperemeter keine Ladetätigkeit der Lichtmaschine mehr an. Nach erstem Schreck stellt sich der Fehler nur alsein abgestecktes Reglerkabel heraus. Puh. Durchatmen.

Wieder haben wir unser hoch gestecktes Ziel erreicht, den Gamsstein nur in der Nacht bezwingen zu wollen.

Jetzt werden die Ketten ausgepackt und montiert. Die Prototypenkette der Panuki fordert alle Anwesenden. Es wird gefädelt, gewickelt, gehäkelt usw. aber schlußendlich sind wir nach gefühlten 3 Stunden fertig und beschließen
dem Zündfix auf der Solo den nötigen Rückhalt und Begleitschutz zu geben, den ein verrückter Solist den Berg hocheben braucht.

Die Auffahrt ist anspruchsvoll aber stellt für 400cmm 2takter und einen Russen mit Beiwagenschi zumindest die ersten Kilometer kein Problem dar.

Irgendwann auf der halben Strecke beschließt Zündfix, nachdem er die Tenere auf den Spiegel gelegt hat, das Monster stehen zu lassen.
Wir packen um und er setzt sich auf den Koffer der Knepta.

Leider zuviel, nach einiger Zeit rutscht die Knepta seitlich weg, ich kann das spurende Vorderrad zu wenig schnell belasten und wir donnern in den berühmten Graben in dem ich 2001 schon mal unter einem Uralseitenwagen hervorgekrochen bin. Zum Glück sind weder die Knie vom Zündfix noch mein gelber Nebelscheinwerfer beschädigt. Zu dritt wuchten wir die Knepta mit durchdrehendem Hinterrad aus dem Loch heraus. Irgendwie schaffen wir es zur Kriteriumskehre, wo bereits einige gescheiterte Gespanne herumstehen. Dort ohne Anlauf ist nicht, der Schnee und die Knepta zu schwer. Ich beschließe umzudrehen und weiter unten den nötigen Anlauf zu nehmen. Hinter einer Kurve steht ein dickes Guzzigespann mit Autoreifen aber ohne Schneeketten. Der Fahrer fragt mich ob ich vom ADAC sei...

Die Beifahrerin und ich schieben an und es fährt, zwar ohne Beifahrerin, die es nicht mehr schafft aufzuspringen aber immerhin wird meine Anlaufstrecke frei. Meine Frage ob ich sie mit hoch nehmen soll wird verneint. So dreh ich um, Vollgas, einkuppeln und am Gas bleibend fräse ich wieder nach oben, diesmal würde die Geschwindigkeit passen aber leider steht in der Kurve ein Guzzigespann, so muß ich auch diesen Versuch abbrechen.

Diesmal zu viert schieben wir das rote Getüm um die Kurve und die Knepta in Startposition. Alex läßt die Panuki noch einmal ins Tal rollen um sich den Riemenstart zu ersparen, ich nehm noch einmal Anlauf und diesmal erwische ich die Spur richtig, voller Freude diese Kehre bezwungen zu haben rutsche ich in den Graben und der Beiwagenschi bleibt an einem Stein hängen. Verdammt wieder nix. Den Eisenhaufen wuchte ich aus dem Loch raus, drehe ihn um und fahre wieder zur Kehre zurück. Umdrehen, nächster Versuch.
Motor auf Drehzahl, erster Gang, bei 4000 einkuppeln, die Gewalt reißt am Hinterrad und los geht es. Jetzt fahr ich einfach rauf, ohne Probleme, vor der Hütte ein Freudenschrei und schon hab ich ein Bier in der Hand.

Ich hab es geschafft.

Dann warte ich, nix, keine Panuki. Was ist passiert ?
Ich stapfe zu Fuß die Straße runter, nix. An der Kriteriumskehre dreh ich wieder um und beschließe die Knepta zu holen.
Gemeinsam mit Klaus, dem ich mit dem Helm vom Ingenieur vor lauter Abladehektik fast das Nasenbein brech, schmeiß ich sämtlichen Balast aus der Knepta.
Und dann geht es wieder runter. Auf halber Höhe sehe ich die Panuki quer über die Straße stehen. Alex hat die Zündungsprobleme wieder behoben, die Kiste läuft.
Wie weiß ich jetzt nicht mehr so genau aber auf jeden Fall sind dann am Ende alle fünf, Alex, Zündfix, Panuki, Knepta und ich oben und können dem Veranstalter berichten, daß die Kontrollfahrt keine besonderen Vorkommnisse gezeigt hat und die Strecke FREI sei.

Ach ja da fällt mir noch ein, daß irgendein Trottel sein Werzeugsmunitionkisterl auf das Beiwagentrittbrett gestellt und es, während er Panuki-Rettungsfahrt, genau in der Mitte der ersten Kehre nach der Kriteriumskehre verloren hat. Embarassed Drüberfahren wollte ich nicht, so hab ich eben vor der Kehre angehalten um das Hindernis für mich und die nachkommende Panuki zu beseitigen. Ist sich gerade noch ausgegangen, die Knepta, die für die nachkommende Panukimannschaft sicher das größere Hindernis gewesen wäre, aus dem Weg zu räumen.

Nach einer Jause in der Hütte und auf Grund der angebrochenen Stunde beschließen wir die Nacht im Lager zu verbringen.

5.12.

Wir wachen spät auf. Ich lieg im Lager aber mir ist kalt. Habe scheinbar die Heizleistung der jetzt kalten Heizkörper überschätzt und bin in Sommeradjustierung auf der Matratze gelegen.

Wurscht erst mal Frühstück. Der Ingenieur überredet mich Kaffee zu kochen. Ich baue die Küche auf und er richtet inzwischen das Frühstücksbuffet.

Wir überlegen was zu tun wäre. Hin ist nix also brauchen wir ein Alternativprogramm. Rodelrennen !! Ich borg mir einen Schlitten aus beginne sofort mit dem Feintuning. Die Kufen werden geschliffen und poliert und während der Ingenieur sein Renngewand holt, kümmere ich mich um seinen Schlitten. Wer gewinnen will, dem muß jedes Mittel recht sein.

Ich hatte den besseren Start aber dann hat mich der Ingenieur ordentlich "hergebrennt". Trotz Abkürzung durch den Wald und Haxn-ziehen, keine Chance.

Am Kettenanlegeplatz angekommen versorgen uns der Sepp und die Südsteirer mit den nötigen Elektrolyten. Dann erinnere ich mich wage an die Worte die der Kahlgryndige oben auf der Hütte an mich richtete:" Ihr könnt auch mit der Izh hochfahren, aber macht sie nicht kaputt. Der Schlüssel steckt."

Gesagt getan. Nach kurzer Einschulung vom Izh-Profi Reini wirft Alex das Moped an und ich setz mich im Damensitz auf den hinteren Teil der Sitzbank. Wir fahren die Asphaltstraße 100m nach oben um den Berg zuerst einmal quer durch den Wald auf der flachen Geheimstraße auszutricksen und vor allem um der Izh die Angst zu nehmen. Leider kommen wir nicht weit. Die Schneekette schlägt extrem an Rahmen und Kotflügel. So durchsuchen wir zuerst einmal die bunten Koffer vom Kahlgryndigen um Material für eine Kettenreparatur zu finden. Unglaublich, was der Bursche mitführt. Ist ja fast Kneptastandard. Endlich finden wir Kabelbinder und fixieren die weghängenden Kreuzkettenfragmente an den Spurketten.
Dann wagen wir einen Neustart und die Izh bringt uns souverän auf der flachen Straße durch den Wald. Wir erreichen die eigentlich Auffahrtsstraße und dann geben wir, auch die Izh, alles. Mit vollem körperlichen Einsatz versuche ich den steigenden Beiwagen zu bändigen und andererseits das brachial durchdrehende Hinterrad auf den Boden zu zwingen. Der rasche Wechsel von Links- und Rechtskurven, brutal. Es hilft nix, abspringen, schieben, turnen, irgendwann geht mir die Kraft aus, zum Glück auch der Izh. Die Worte des Kahlgryndigen im Ohr:"Macht nix kaputt!" beschließen wir, nicht nur ich brauch eine Pause, der Izh würde sie auch gut tun. Wir beruhigen sie, kühlen den Motor mit Schnee und hoffen, daß die Kupplung selbstheilende Kräfte besitzt. Und tatsächlich, nach 15min ist sie wieder zu neuen Schandtaten bereit. Ich zwar nicht, aber was soll es. Da muß man durch. Wir zwingen sie um die Kriteriumskehre herum, aber dann, nach 50m ist wirklich Schluß.
Sie ist zu schwer. Wir beschließen die Knepta zu holen, so mach ich mich auf den Weg, der Ingenieur redet inzwischen gemeinsam mit dem Könich "sanft" auf die Izh ein.
Schnaufend erreiche ich die Hütte wo mir der Kahlgryndige sorgenvoll entgegenblickt. Ich beruhige ihn und starte die Knepta. Die Kupplung ist wie festgebacken und trennt nicht. Bravo. Ich zerre den Eisenhaufen hin und her bis sich der Kupplungshebel plötzlich wieder ziehen läßt. Ok spontane Selbstheilung, ist auch gut. Retourgang rein, Kupplung langsam kommen lassen. Shocked Nix. 3-4 mal am Kupplungshebel gedrückt, plötzlich wieder Kraftschluß. Scheinbar ist das Seil eingefroren. Wurscht jetzt ist Bergetruppzeit. Also los. Bei der Izh angekommen beschließen wir, daß das ganze Gepäck in die Knepta kommt und die leere Izh mit dem Ingenieur am Lenker und dem frischen, ausgerasteten Könich die Auffahrt nocheinmal probiert. Ich passiere das Gespann, dann schieben wir den kleinen Russen an und die Izh jammert dem Gipfel entgegen.
Bis zur Kriterienkehre tuckert die Knepta ganz brav hinunter, dann will ich eine 180° Wende fahren, was mit Beiwagenschi eher schwierig ist. Endlich hab ich meine Position erreicht. Die Kupplung kommt, das Hinterrad beginnt sich durchzudrehen ich geb Gas und plötzlich dreht sich das Rad nicht mehr, nein das ganze Glump rollt zurück, raus aus der perfekten Startposition. Also nocheinmal, Gang rein, Shocked Gang ist drinnen. Warum dreht sich das Rad nicht ? Retourgang. Shocked das blöde Rad dreht sich auf einmal und bringt mich in einen Bereich der für ein erfolgreiches Anfahren eher das Gegenteil darstellt. Was hilft es, 1. Gang rein, Gas, das Rad dreht sich kurz und dann ein unangenehmes Krachen aus dem Antriebsstrang. bash bash
Kein Vortrieb, die Knepta steht auf einer äußerst ungünstigen Stelle. Was tun ? Ich schieb sie in den Graben neben der Straße, so können die nachkommenden Gespanne vorbei. Wieder mach ich mich zu Fuß hoch zum Gipfel, wo sich auch mein Werkzeug befindet.

Oben angekommen sitzt die Südsteirer-Partie und er Sepp gerade beim Essen. Auf meine Frage ob sie mir helfen würden die erwartete Antwort. Ich mußte sie fast zwingen fertigzuessen.

Mit der Hoffnung im Hinterkopf, daß "nur" die Naben-Verzahnung kaputt ist, setze ich mich beim BMW-Gespann vom Sepp auf die Box, die eigentlich den Platz vom Sarg einnimmt, was vermutlich zu dem Zeitpunkt eher gepaßt hätte. Rolling Eyes

Unten angekommen erkennen wir, daß die Bergung mit der BMW vom Reini eher nix wird. Die Straße rutschig, die Knepta steckt im Graben. Da braucht es mehr als bayrische Technik. Steirische-bayrische Muskelkraft ist in solchen Situation, das einzig Wahre.
6 Mann lehnen sich an die Knepta. Eine MZ wäre aus dem Graben gesprungen . Die Knepta bewegte sich kaum.
6 Mann stemmten sich an die Knepta und unter Schimpfen und Murren ob des übergewichtigen Eisenhaufens wuchten sie ihn zur Kriteriumskehre.

Einige Zeit später und mit Hilfe unzählbarer Ratschläge ist das Rad heraußen, der Endantrieb herunten und die Antwort klar.:

Zahnausfall. Rolling Eyes Nach ca 30000-35000 km. Schade.

Zur allgemeinen Freude hole ich aus den Tiefen meines Alukoffers den im Winter-Gespannbetrieb bereits von der KNURAL erprobten Sommersoloantrieb hervor und baue ihn ein. Dann die Kette wieder drauf, Luft in den Reifen und runter vom Wagenheber.

Jetzt die Stunde der Wahrheit. Schaff ich es mit der langen Übersetzung die Knepta nach oben zu bringen ?

In Position fahren funktioniert schon mal ganz gut. Dann 1. Gang rein, Drehzahl, Kupplung rasch kommen lassen und dann Vollgas. Die Knepta gräbt einfach los, als ob nix wäre. Zügig ohne Problem klettert sie den Berg hoch und so hab ich den Berg auch mit dem Soloantrieb bezwungen

Während ich also an der Kneptatraktionswiedererstarkung in der Kriteriumskehre arbeitete versuchte der Ingenieur oben bei der Hütte an der Panuki einen neuen Lichtfehler zu finden. Nach dem Ausfall der Zündung und deren Wiederbelebung ist dann das Licht teilweise ausgefallen. Scheinbar hat das Zündschloß diverse Kabel abgeworfen. Egal, nach Wiederverbindung diverser Kabel leuchtet es wieder und gerade rechtzeitig zum Restart der Knepta in der sagenumwobenen Kehre kommt er die Straße herunter.

Da die Geschichte vom zerstörten Endantrieb die Runde macht ist die Neugier (vor allem vom Kaffeeröster) sehr groß was kaputt ist oder eher wieviele Zähne tatsächlich gebrochen sind.

- pic vom Zweiradantrieb :) -

Also wird das Werkl seziert. Eigentlich ist es eher die Vorbereitung der Seziererei, denn ich hab die Erlaubnis vom Wirt, das Teil in der Gaststube zu öffnen. Also 5 Muttern der Gehäusestehbolzen runterschrauben und die Linsenschlitzschraube öffnen. Leichter gesagt als getan. Der Schlitz vernudelt immer mehr, Gripzange ansetzen funktioniert nicht. Also rausbohren

Bordnetzschrauber raus, Bohrer rein. Und mit 20umin losbohren. Da schläft einem das Gesicht ein. Zum Glück gibt es Essen und wir können diese Sache auf später verschieben. Nach der Stärkung gibt es eine Preisverleihung bei der ich meine Position als Besucher mit den schwärzesten Händen wieder einmal erfolgreich verteidigen kann.

Nach dem Essen beschließen wir dem Akkuschrauber ein bißchen unter die Arme zu greifen. Also Knepta starten, auf 3000 umin bringen und bei 14,5 Volt gibt jetzt auch der 12 Volt Akkuschrauber Gas. Schlußendlich ist die Schraube weg- gebohrt, -gehämmert,-gefeilt und wir tragen das Endantriebstrumm hinein um es publikumswirksam ( eigentlich geht es uns um die Wärme, draußen hat es schon knackige -6°) zu öffnen. Also Deckel runter, das Lager fällt schon selbst heraus und ein Raunen geht durch die Runde. Wie ist das möglich ?? 4 (in Worten vier) Zähne auf einen Streich. Neuer Rekord?

Das muß gefeiert werden (eigentlich feiern wir den Geburtstag vom Alex)

Ab jetzt wird es schwierig, ich erinnere mich an lustige Kontrollfahrten hinunter ins Tal, an ein gepflegtes Bier unten am Kettenanlegeplatz und in der Kriteriumskurve, an einen Mond mit Ring und an einen entspannten Wirt,
an einen Lois der am Geruch das Öl vom Endantrieb an meinen Händen erraten wollte und an wirklich nette Wirtstöchter.....

Irgendwann fallen wir dann in die Schlafsäcke. Wir haben das Zelt aufgebaut. Und wir sind vermutlich wieder die letzten....


Ok 6.12. Wir bzw ich Embarassed stehen spät auf.- Die meisten sind schon weg. Gemeinsam mit Ural Europa mit Sohn, ja Hari ist diesmal auch da, nehmen wir unser Frühstück ein. Dann zusammenpacken und alles einräumen.

Runterfahren, Kette herunternehem. Bei der Fahrt ins Tal schalte ich auf Reserve und dem Ingenieur geht endgültig der Sprit aus. Bergab kein Problem, wenn es keine Zwischensteigungen geben würde. Also schieb ich ihn mit der Knepta ein paarmal über den nächsten Hügel. Später in einer engen Linkskehre höre ich ein gar furchtbares Geräusch aus meiner Vorderradnabe. Ein Scharren, Quietschen Raunzen. Komischerweise nur in Linkskurven. Unten im Tal füllen wir fast den ganzen Kanister Sprit in den Tank der Panuki. Fast den ganzen? Ja zum Glück nur fast, denn nach 1km bleibt auch die Knepta stehen. Mit dem letzten halben Liter Sprit erreiche ich die Tankstelle und ich kontrolliere das Vorderrad, die Gabelklemmung an der Steckachse hat sich gelockert.

Angezogen hab ich sie, aber das Quitschen ist noch immer da.

Dann los, die Panuki voran und die Knepta mit dem Soloantrieb hinterher. Die 4. ist ein bißchen zu lang übersetzt, bei leichten Steigungen muß ich viel früher auf den 3. Gang zurückschalten. Eigenartig die Charakteristik.
Trotzdem sind wir ziemlich rasch unterwegs. Was mir an Übersetzung fehlt versuche ich mit Drehzahl wett zu machen. Gerlos, Felbertauern es geht dahin.
Bei einem Tankstellenstopp entdecken wir 2 abgerissene Speichen an der Panuki, die beim Essensstopp beim Iselsberger Sepp ersetzt werden.

Dann weiter, tanken, essen, Kaffee trinken.

Die Turrach zeigt dann endgültig die Schwächen vom langen Soloantrieb.

23% 1. Gang Vollgas. Doch ich schaffe es.
Dann Murtal, Judenburg.

Die letzten 30km fahr ich mit offenem Visier. Scheinbar löst der Antibeschlagsspray von Sonax die Antibeschlagsfolie des BMW Klapphelvisiers ab. Ich seh nix mehr. Läuft zwar nicht an ist aber furchtbar milchig. Egal.

Wir kommen um 1.00 in Niklasdorf an.

Nach ca 1000 km, davon haben wir uns ca 100 nicht vom Fleck bewegt.
Danke es war klasse !!

Es kann uns keiner vorwerfen wir hätten das Material geschont!

und alle Angaben ohne Gewähr !

Vielen Dank an den KNEPTA für den astreinen Bericht!1!! Alle Fotos vom KNEPTA, bis auf die von Zweiradantrieb und Zündfix. Merci :)


 


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